Ganz rechts außen. Ein Porträt der Burschenschaft »Dresdensia-Rugia zu Gießen«

Dresdensia-Rugensia zu Gießen

Dresdensia-Rugia zu Gießen

von Stefan Schneider

In der Deutschen Burschenschaft (DB) ist die Dresdensia-Rugia (DR) seit Jahrzehnten als extrem rechte Verbindung bekannt. Als im November 2012 konservative Bünde der DB erfolglos den Ausschluss dreier extrem rechter Mitgliedsbünde forderten, war auch die Gießener Burschenschaft darunter. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurde ihr Nähe zur NPD nachgesagt. Dem entsprach die Mitgliedschaft der DR in der radikal-völkischen Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG). Innerverbandliche politische Differenzen und ein Wechsel unter den aktiven BurschenschafternAktivitas«) führten ab 1985 zu einem politischen Wandel. Der Nachwuchs wandte sich von der BG ab und orientierte sich an der Neuen Rechten und nationalkonservativen Kreisen in der CDU. 1987 folgte die Gründung eines Konservativen Arbeitskreises unter maßgeblicher Beteiligung der Zeitung Junge Freiheit (JF) sowie der Zeitschrift Criticón. Bis 1992 fanden dann unter dem Oberbegriff »Gedankenaustausch unter und mit Gleichgesinnten« mehr als ein Dutzend Veranstaltungen statt. Neben Mitgliedern des Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und der CDU, wie Heinrich Lummer, referierten dort auch Redakteure der JF sowie Burschenschafter aus der Partei Die Republikaner, zum Beispiel Björn Clemens und Rolf Schlierer. Der DR war es gelungen, eine Scharnierfunktion zwischen Nationalkonservativen und extremer Rechten einzunehmen. Vom nationalistischen Einheitsrausch beflügelt, radikalisierte sich die Aktivitas erneut ab 1989. Es folgten der Wiederbeitritt zur BG sowie zahlreiche Veranstaltungen mit ausgewiesenen Neofaschisten. Nach antifaschistischen Protesten unterband 1992 der Altherrenverband vorläufig diese Aktivitäten und die Mitgliedschaft in der BG.

Kaderschule der NPD

Mit dem Eintritt von Jürgen W. Gansel und Arne Schimmer in die DR vollzog die Burschenschaft ab Mitte der 1990er einen Rechtsruck. Neben CDU-Politikern – wie dem Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer – lud die DR vorwiegend Vertreter der extremen Rechten als Referenten ein. Regelmäßig zu Gast war auch die hessische NPD-Führung. Unter deren Förderung machten Gansel und Schimmer in der NPD Karriere. Im Jahr 2000 trat schließlich der stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) Stefan Rochow (zuvor Burschenschaft Rugia Greifswald) der DR bei. 2002 wurde er Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten. Überregionale Aufmerksamkeit bekam die DR 2004 infolge des Einzugs der NPD in den sächsischen Landtag. Mit Gansel als Abgeordnetem sowie Schimmer und Rochow als Assistenten fanden sich nun drei Mitglieder der DR in der NPD-Landtagsfraktion. Dadurch wurde die DR erstmals im Bericht des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen (LfVH) erwähnt. Dennoch waren das LfVH sowie Konservative in Stadt- und Landesparlament bemüht, das Problem mit der Rechtsaußen-Burschenschaft zu relativieren. 2006 teilte das Amt mit, dass mit Matthias Müller (zuvor Burschenschaft Normannia Heidelberg und seit 2008 Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks) ein weiterer den Behörden bekannter Burschenschafter der extremen Rechten zur DR stieß.

Wie Rochow und Gansel war Müller führend in der JLO aktiv. Ein pikantes Detail: Das LfVH verschwieg Müllers Posten als stellvertretender Vorsitzender im Gießener RCDS. 2006 wurde die DR zum letzten Mal im Verfassungsschutzbericht erwähnt. Laut Aussagen eines »Alten Herren« der DR sei die Streichung das Ergebnis von Gesprächen zwischen der Verbindung und Mitarbeitern des hessischen Geheimdienstes, von denen das Gesprächsangebot ausgegangen sei. Dabei hat es an Gründen für die weitere Nennung der DR in dem Bericht seither nicht gemangelt. So wurde 2007 das DR-Mitglied Wolfgang Traxel zum Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Südpfalz gewählt. Mit Michael Hahn, zugleich auch Mitglied der Marburger Burschenschaft Rheinfranken, stieß ein Vorstandsmitglied der NPD Niedersachsen zur Gießener Burschenschaft. Und 2010 traten sechs DBBurschenschafter der rechtslastigen Ghibellinia-Leipzig zu Hannover zur DR über, indem sie einen Ableger der DR in Niedersachsen eröffneten. Drei von ihnen müssen als extrem rechts bezeichnet werden. Während Ben S. und Felix W. im revanchistischen Spektrum agierten, galt Nils L. als Mitglied der 2012 verbotenen Neonazi-Gruppe Besseres Hannover.

Eintritte

Erst jüngst traten erneut extrem rechte Burschen zur DR über. Fabian Dehoust verließ die Burschenschaft Germania Gießen und wurde Aktiven-Sprecher der DR. Er nahm mehrfach an Aufmärschen und Kundgebungen der NPD teil. Und im Herbst 2012 wurde Matthias Brauer (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn) in die DR aufgenommen. Die Frankfurter Rundschau berichtete, dass er 2007 aus der Burschenschaft Marchia Bonn ausgeschlossen worden war, nachdem er in deren Garten ein Holzkreuz niedergebrannt und »Heil White Power!« gerufen habe. Die Teilnahme der Aktivitas im Mai 2012 an einem Treffen beim NPD-Bundesvorstandsmitglied Thorsten Heise im thüringischen Fretterode macht die Einbindung der DR in die neonazistische Szene deutlich.

Die DR ist fest in den extrem rechten Flügel der DB integriert und ein Anlaufpunkt für extrem rechte Studierende. Besonders Burschenschafter aus anderen Bünden der DB finden regelmäßig den Weg in die Verbindung und bekennen sich damit demonstrativ zu ihrem Kurs.

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift Der Rechte Rand Nr. 141/2013 – abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift und des Autors

Strassenlaterne mit NPD-Aufklebern unweit der Dresdensia-Rudgensia zu Gießen

Strassenlaterne mit NPD-Aufklebern unweit der Dresdensia-Rugia zu Gießen

Ausführliche Informationen zur Dresdensia-Rugia zu Gießen sind zu finden in der neuen Broschüre »Verbindungen kappen! Studentische Verbindungen in Gießen zwischen Konservatismus und der extremen Rechten«, die gegen einen Unkostenbeitrag beim AStA der Universität Gießen zu beziehen ist unter: www.asta-giessen.de.